3.-8.11.2009: Ostfront - Westfront
25. Internationales Kurzfilmfestival Berlin (3. - 8. Nov. 2009)
mit dem Themenschwerpunkt:
Ostfront - Westfront
Deutschland im Kalten Krieg
Anlässlich des Jubiläums 20 Jahre Mauerfall widmet sich interfilm Berlin ausgiebig den Ereignissen zwischen Mauerbau und Mauerfall und wirft in fünf Kurzfilmprogrammen un einem urbanen Event einen komplexen Blick auf die Zeit des Kalten Krieges.
Das Programm Schaut auf diese Stadt zeigt ein Berlin, in dem sich die konträren Klischees der beiden deutschen Staaten verhärten: Hier die Freiheit, da die sozialen Errungenschaften, hier Demokratie, dort die Diktatur des Proletariats. Das Programm belegt die kriegerischen Strategien der beiden Seiten und folgt ironischen und zynischen Reaktionen. Zu sehen sind u.a. DEFA DISCO Film – Berlin (1977) und Walter Heynowskis Hüben und Drüben (DEFA 1964).
Scharf geschossen wird in den filmischen Werken des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR aus dem Bestand der Birther-Behörde. In den für interne Zwecke gemachten Schulungsfilmen wird die Zersetzung des Klassenfeindes geprobt. Die auf Super8 gedrehten Filme laufen im Programm Ein Staat in Panik und werden erstmals mit englischen Untertiteln angeboten.
Das ganze Ausmaß der Unterwanderung der privaten Sphären trat erst nach der Wende durch die Akteneinsicht und Auflösung des MfS zu Tage. Der gerade für den Deutschen Kurzfilmpreis nominierte Fotofilm Radfahrer von Marc Thümmler dokumentiert die Observierung des Fotografen Harald Hauswald durch die Staatssicherheit, Freies Land (2008) zeigt den Druck des Staates auf eine Familie auf emotional authentische Weise. Beide sind im Programm Stasi intim zu sehen.
Das Programm Alltag zwischen den Fronten zeugt vom Versuch diverser Filmemacher, subtil Kritik unterzubringen – was manchmal gelang, aber nicht selten zu Verbot oder Landesverweis führte. Barfuß und ohne Hut (1964) ist ein dokumentarisches Meisterwerk von Jürgen Böttchern über Jugendliche an der Ostsee, Nur ein Viertelstündchen (1964) gibt in satirischer Statistik Aufschluss über DDR-Visionen und die Bilanz der 60er Jahre.
Außergewöhnliches und originelles Filmmaterial mit guter Musik führte zum Programm Rock the Wall. Neben klassischen Musikclips aus Ost (z.B. Silly, Pudhys) und West (z.B. Rio Reiser) sind auch ein „Stasi-Hit“, Experimentalfilme sowie historisch interessante Aktionen an der Mauer vertreten.
Spektakulär dürfte der Stadtspaziergang mit A Wall Is A Screen werden: Die Hamburger Kurzfilmaktivisten werden Hausfassaden in Leinwände verwandeln. Dabei bilden das urbane Umfeld sowie der Film – und in diesem Fall auch die nicht mehr vorhandene Mauer – eine Einheit. Der kostenlose Kurzfilm-Spaziergang wird Stationen in Berlin Mitte ansteuern. Teilnehmen kann jeder, Passanten dürfen sich anschließen. Treffpunkt: 7. 11.2209 um 18 Uhr am Tränenpalast.
Alle Programme laufen im Zeughauskino.
interfilm.de
