10.3./ „Aufbruch 89 –
Wir möchten auf die nächste Veranstaltung im Rahmen unserer Gesprächsreihe „Aufbruch 89 – Umweltbewegung in der DDR“ hinweisen und laden Sie dazu herzlich.
Dienstag, 10. März 2009
Prosa und Protest
Schriftsteller für Natur und Umwelt
19.00 Uhr, Haus der Natur, Lindenstr. 34, 14467 Potsdam
Reimar Gilsenbach-Saal
Als Gesprächsgäste nehmen die Schriftsteller Volker Braun, Lia Pirskawetz, Dr. Hannelore Gilsenbach, Jurij Koch und Ernst Paul Dörfler sowie Klaus Höpcke, ehemaliger stellvertretender Kulturminister der DDR, teil.
Moderation: Hellmuth Henneberg
Zum Inhalt des Gespräches:
1981 rief der Schriftsteller Reimar Gilsenbach in seinem Heimatort Brodowin (Ostbrandenburg, heute Ökodorf im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin) die "Brodowiner Gespräche" ins Leben, die Schriftsteller und Wissenschaftler zum kritischen Diskurs zusammenführten. Der Versuch von Reimar Gilsenbach, im Schriftstellerverband der DDR ein Aktiv für Literatur und Umwelt zu begründen, scheiterte zunächst. Doch im Kulturbund fanden die umweltengagierten Schriftsteller und Autoren Unterstützung.
Die jährlichen Treffen befassten sich mit den unterschiedlichsten Themen und führten die Autoren auch in ökologische Krisengebiete. Widmeten sich die Treffen 1983 in Brodowin der Gefährdung der Moore und Seen durch die intensivierte Landwirtschaft und 1984 in Gülpe dem Naturschutz, so stand auf der Tagung 1985 in Grillenburg im Osterzgebirge eines der damaligen Tabu-Themen auf der Tagesordnung – das Waldsterben. Debattiert wurde über die Grenzen der Wiederaufforstung, Umweltethik und umweltkritische Literatur in der DDR und der Sowjetunion. Um Probleme der Wasservernutzung, Energieverschwendung und Umweltpreispolitik ging es 1986 in Wienrode (Ostharz).
Auf dem X. Schriftstellerkongress der DDR 1987 wurde die Umweltthematik mit aufgegriffen und der damalige Umweltminister Hans Reichelt bekam den Unmut der Autoren offen zu spüren, als in seiner Rede die Umweltsituation in der DDR weitgehend unkritisch darstellte. Nach der Tagung gelang es auch im Schriftstellerverband, ein Aktiv für Umwelt zu etablieren. Die „Brodowiner Gespräche“ in Groß Koschen im ehemaligen Bezirk Cottbus im gleichen Jahr widmeten sich den Folgen des Braunkohlentagebaus und der Energiepolitik der DDR. Die Landschaftszerstörung durch die Tagebaue und die hohen Schwefeldioxidbelastungen infolge der Braunkohleverbrennung gehörten zu den gravierenden Umweltproblemen in den 1980er Jahren.
Umweltprobleme an der Ostseeküste, Gefahren aus Massentourismus, die Geheim-Hygienepolitik sowie Umwelterkrankungen in der DDR standen auf dem Programm der Tagung 1988 Göhren (Rügen). Das Treffen in Wustrow auf der Halbinsel Darß im Herbst 1989 zum Thema „Boddensanierung - eine Augenauswischerei?“ stand bereits im Zeichen der beginnenden Umwälzungen. Die Schriftsteller erarbeiteten einen Umweltforderungskatalog und erstmals berichtete nun auch die Presse ausführlich über das Treffen. Die Forderungen der Schriftsteller wurden dann von sich zu dieser Zeit neu bildenden Organisationen mit aufgegriffen.
Info:
Förderverein Haus der Natur
Regine Auster
Lindenstr. 34
14467 Potsdam
Tel. 0331-2015525
