11/2009: Bäke Courier

Eindrucksvoll verwackelte Fotos und die Mauer von oben

Ausstellungseröffnung von Privat-Fotos von 1989 und der Film „Mauerflug"
VON KARSTEN SAWALSKI

„Manche Fotos sind verwackelt", sagt Christine Dunkel, „ich habe bewusst diese ausgewählt". Zu Recht, denn die Privat-Fotos von Menschen aus Kleinmachnow und Zeh-lendorf dokumentieren auf ganz unprätentiöse Weise die Augenblicke des Erstaunens, der Freude und der Neugier auf den Nachbarn jenseits der Mauer im Jahr 1989. Verstärkt wird das „Nacherleben" der regionalen Ereignisse noch durch die hinzu gesetzten Tagebuchaufzeichnungen. So notierte der Fotograf Richard Kühne: „Wir in Kleinmachnow verfolgten mit Spannung die Arbeiten im Dezember 89 ... und die Zehlendorfer ebenso". Kühne beschreibt dann eine nahezu tragisch-komische Szene: Die Zehlendorfer hatten ein Holzpodest gebaut und winkten über die Mauer mit Wunderkerzen, während auf ostdeutscher Seite mit Streichhölzern und Wachskerzen die freundschaftlichen Lichtsignale erwidert wurden. Der zentrale Ort der Begegnung zwischen Ost und West war damals der Kuckhoff-Platz an der Benschallee.
Die Ausstellungseröfmung am Freitag letzter Woche bildete gleichzeitig den Abschluss der mehrteiligen Festveranstaltungen zum 20. Jahrestag des Mauerfalls in Kleinmachnow. In der Gemeinde sind zur Zeit drei Ausstellungen zum Thema zu sehen: Neben der beschriebenen sind im Erdge-schoss des Rathauses Fotos von Bernd Blumrich unter dem Titel „Linienuntreue - Die Wende in Potsdam, Kleinmachnow und Teltow von 1989 bis 1990" zu sehen und im Europarc ist die ehemalige deutsch-deutsche Übergangsstelle Dreilinden dokumentiert.
Zur Eröffnung der Privat-Foto-Ausstellung wurde im Kleinmachnower Rathaus-Saal der Film „Mauerflug" gezeigt. Der Kleinmachnower Filmemacher Peter Gärtner erläuterte dazu ausführlich die schwierigen Bedingungen der Dreharbeiten und dass es ihm bis heute nicht geglückt ist, den Film in Deutschland gewinnbringend zu vermarkten, obwohl alle Welt von der Einzigartigkeit dieser Dokumentation beeindruckt ist. „Der Film müsste ein Standwerk in allen Schulen werden" sagte Bürgermeister Michael Grubert, der sich enttäuscht darüber äußerte, „dass Berlin und Brandenburg noch nichts dafür unternommen haben". Peter Gärtner charterte im Frühjahr 1990 auf eigene Faust und Kosten einen Interflug-Hubschrauber und filmte die größtenteils noch intakte Mauer aus einer Höhe von nur 50 Metern. „Das ist auf Augenhöhe mit der Schöneberger Rathaus-Uhr", verdeutlichte Gärtner, dem die Flughöhe vom Alliierten Kontrollrat vorgeschrieben worden war. Die Filmaufnahmen, die bei schönem Wetter gemacht wurden, zeigen eindrucksvoll, wie die DDR ihr mörderisches und Menschen verachtendes Grenzsystem perfektioniert hatte. Bezeichnenderweise und im Film gut zu sehen sind die zwei Seiten der Mauer: vom Osten her weiß gestrichen oder beton grau, im Westen bunt bemalt.
Filmemacher Gärtner möchte jetzt, 20 Jahre danach, noch einmal fliegen und eine Dokumentation über die Veränderungen im ehemaligen Mauerverlauf machen. Dafür sei aber bessere Technik nötig, meinte Gärtner, der nicht damit rechnet, von der Filmförderung finanziell unterstützt zu werden. „Das wird ja kein Film fürs Kino", sagte er.

Info: Die Ausstellung mit Privat-Fotos von der Grenzöffnung 1989 ist noch bis zum 29. Dezember im ersten Stock des Rathauses Kleinmachnow zu sehen. Zusätzlichen Informationen liefert die Internet-Seite www.20JahreMauerfall.de